deutsche Semitismen
August Rohling (1839-1931), der Professor für alttestamentarische Exegese an den Universitäten Münster und Prag war. In Münster publizierte er 1871 das 125-seitige Pamphlet «Der Talmudjude. Zur Beherzigung für Juden und Christen aller Stände», in dem er nachzuweisen glaubte, dass «… der Jude von Religions wegen befugt ist, alle Nichtjuden auf jede Weise auszubeuten, sie physisch und moralisch zu vernichten»
Auch, wenn das ein schweizerischer Beitrag ist: gra.ch/bildung/glossar/talmudjude – Die alte Denkrichtung wird klar, und wenn wir auf die politischen und religiösen Spuren der „Semitismen“ gehen, geraten wir ein einen Schleudergang der Geschichte der kapitalen Interessen der Herrschenden, der eifersüchtigen Religionen und der Gläubigkeit der Faschisten, die sich bis heute, wie Peter Thiel, der Drahtzieher hinter Trump, auf biblische Bilder und „Prophezeihungen“ beziehen, ihre autoritären Oligarchen-Träume zu verwirklichen.
Wirkliche Propheten waren auf der Seite des Volkes
aber all die biblischen Schriften meinen ja, die Welt wäre gut 5000 Jahre alt. Dabei imitieren sie nur die eifersüchtige Art der Pharaonen, bei denen „Israel“ in der Sklaverei war, die sich selbst zu Sonnengott erklärten.
Währen rundum allerlei Völker noch vielerlei Göttinnen und Götter für diverse Themen und Zwecke anriefen und mit Opfern pflegten, wie das in allerlei uralten Kulten etlicher, meist besser naturverbundener Völker als unserer „Kulturen“, bis heute gepflegt oder nach der Kolonialisierung wieder entdeckt wurde, wurde die Eifersucht des Ein-Mann-Gottes mit den europäischen Kolonial-Geschäften in alle Welt verbreitet.
Unser Welt-Denken hat sich dabei wie die nationale Idee verengt: Als wäre die Menschheits-Geschichte nicht gute 200.000 Jahre alt, hätte keine gemeinschaftlichen Strukturen gehabt, statt immer nur Krieg der Religionen: Sie schrieben damals noch nicht so gut diverse Geschichten, sondern lebte in Handwerk, Kult und Versorgung alter Städte, auch ohne Fürsten, nach denen unsere alten Forschenden wie nach Gold suchten.
Semitismen gehen durch viele Länder und Religionen, erleben gelegentlich Abkehr, Aufklärungen und alle Vermischungen, die wir seit Jahrtausenden in unseren Gen-Pools nicht nur mit sex-freundlichen Bonobos und manchmal mörderischen Gorillas teilen: Alle unsere Völker der verschiedenen Farben sind nur eine Rasse, anders als bei Hunden, die manchen Rassisten näher stehen als ihre Mitmenschen.
Semitische Geschichten und Religionen
Das Bilderbuch der 1000jährigen Reiche des Friedens nach dem Armageddon, dem „Weltuntergang“ der apokryphen Schriften, die als Bibel-Anteil zumindest der neueren Jesusgeschichten immer umstritten waren: Was sind „Geheime Offenbarungen“? Bildersprache, die in den Kulturen immer verschieden gelesen werden:
Der römisch gedeutete Drache als Übergriff des Staates auf den Einzelnen entspricht unserer Wehrpflicht, der sich der fromm gewordene St. Georg entzieht, während St. Michael den stolzen Engel Luzifer in die Hölle jagt, die seitdem mit Satans-Volk belebt ist, im christlichen Mittelalter aber dann dargestellt durch einen Fruchtbarkeitsgott Pan, eine Faun-Figur mit Bocksfuß, mit dem die Natur in „christlicher Kultur“ zum Teufel ging?
Verrückterweise schwelgten der antisemitisch gewordene Führer und die „germanischen“ Religionsvasallen in biblischen Bildern und verzerrten Spiegeln der Zuschreibungen des wenig verstandenen jüdischen Lebens, seine Bräuche und seiner Art, sich in fremden Kulturen zu behaupten und bewahren, bis zu den rassistischen Ideen, die um 1900 aus der damaligen medizinischen Forschung und alten Mythen gängig wurden.
Den wirklichen Klassenkampf des Faschismus
will das Bürgertum natürlich verschweigen, aber von Engels, Marx, Freud und Heine, von Kurt Eisner, Gustav Landauer und Wilhelm Reich trennen uns vermeintlich Welten, die nur besonders Begabte wie Martin Buber und Hannah Arendt überblicken können, dabei trennen uns nur Jahrzehnte, und ihre Konfliktfelder sind wirksam wie die Reste des 30-jährigen Krieges zwischen manchen Dörfern, Städten und Regionen, den Konfessionen wie der Religionen, die ihren Gott noch in jeden neuen Krieg führen können, quer durch Jugoslawien und die Orthodoxie in Ukraine und Russland.
Die Kirchen und der Faschismus
haben in unseren Ländern eine unrühmliche Geschichte, auch wenn sie sich nach der „Befreiung“ vom Faschismus, wie es IdealistInnen gerne in den Sonntagsreden bezeichnen, als Opfer darstellen konnten:
Kardinal Faulhaber predigte in Bayern und schrieb in den von der sonntäglichen Kanzel „unkommentiert in allen Messen vorzulesenden Hirtenbriefen“ vom Gehorsam vor der Obrigkeit … während sich die evangelischen Kirchen in ihrer deutsch-nationalen Auseinandersetzung in den Landeskirchen zerlegten, und nur einige wenige mutige Bischöfe und viele Pfarrer, die auch in Konzentrationslagern landeten, einsamen Widerspruch zum Teil mit dem Leben bezahlten.
Entnazifizierung als Farce
Im Jahr 1946 reiste der junge schwedische Schriftsteller Stig Dagerman ins zerstörte Deutschland. Seine präzisen, sarkastischen Reportagen kann man nun wiederentdecken. Eine Rezension von Ulrich Rüdenauer:
Journalistik sei die Kunst, so früh wie möglich zu spät zu kommen, schrieb Stig Dagerman an seinen Freund Werner Aspenström. Und fügte lakonisch hinzu: „Das lerne ich nie.“ „Dagerman berichtet vom Überlebenskampf, der so viel Kraft kostet, dass die Scham über die Verbrechen Nazideutschlands wenig Gelegenheit hat, sich zu entfalten – „Hunger“, schreibt er, „ist eine Form der Unzurechnungsfähigkeit“.
„In anderer Hinsicht aber sind die Deutschen berechenbar: Wie eine Theateraufführung erscheinen ihm die Spruchkammerverhandlungen, die absurde Züge annehmen und tatsächlich gerne von Einheimischen besucht werden – wie die Kinos eine Art Vergnügungsstätte des nach ein wenig Freude lechzenden Volkes. Dagerman fühlt sich an Kafkas fantastische Gerichtswelt im Process erinnert. Alles kommt in diesen Verfahren auf den Tisch, und alles wird unter den Teppich gekehrt.
Wer sich reinwaschen will und es sich leisten kann, kauft sich Kronzeugen; sie kosten ein paar Hundert Mark und bestätigen, dass der Angeklagte Juden ausgesprochen freundlich behandelt habe. Ob kleiner Parteigenosse, SA-Mitglied oder Blockwart, man musste dem Verein halt notgedrungen beitreten, hat sich aber ansonsten tadellos, pflichtbewusst, geradezu aufopferungsvoll verhalten … die übliche Leier.
Der eine leitete einen Kirchenchor, als es längst nicht mehr opportun war, sich kirchlich zu betätigen; der andere hörte unter Lebensgefahr Feindsender; der dritte arbeitet nun für die Besatzungsmächte, was ja ausschließe, etwas mit der Hitlerei am Hut gehabt zu haben. Die Entnazifizierung als Farce: Stig Dagerman läuft bei diesen pointierten Protokollen zur Höchstform auf.
„Auf den flüchtigen Blick wirke diese Nachkriegsgesellschaft zwar ziemlich monolithisch, in Wahrheit aber sei sie „von diagonalen, vertikalen und horizontalen Rissen durchzogen“. Sehr feine Risse zuweilen, wer jedoch genau hinschaut, kann sie durchaus erkennen.“ .zeit.de/kultur/literatur/2021-11/deutscher-herbst-stig-dagerman-nachwort?utm_referrer=https%3A%2F%2Fgetpocket.com%2Frecommendations
Antikommunismus, (mein Vater sagte noch Bolschewismus), war Staatsdoktrin, die von keinem öffentlich bezahlten Menschen in Frage gestellt werden durfte, auch die SPD hatte noch die Berufsverbote für kommunistische Briefträger, Lokführer etc. durchgesetzt. Die Giftigen Mythen wirken bis heute … nach schwacher „Entnazifizierung“ https://de.wikipedia.org/wiki/Entnazifizierung
Das Bundesverfassungsgericht / GeStaPo
https://www.servat.unibe.ch/dfr/bv006132.html Absatz 3 / 2.Teil Beschluss des Ersten Senats vom 19. Februar 1957 Stichwort GESTAPO, die Geheime Staatspolizei, ein „kleiner Mitarbeiter“ klagt …
„Er persönlich habe weder 1933 noch 1938 wissen können, was 1945 Wirklichkeit geworden sei. Da er nur eine untergeordnete Tätigkeit bei der Gestapo ausgeübt und eine ordnungsmäßige Laufbahnausbildung als Beamter genossen habe, könne er weder den „Polizeipotentaten“ des „Dritten Reiches“ noch jenen „zahlreichen nicht vorgebildeten Elementen“ gleichgestellt werden, die nach 1945 in den Staatsdienst aufgenommen worden seien.“ Das Gericht lässt den Satz so stehen … und weist seine Beschwerde ab.
christliche Fräuleins und prügelnde Lehrer und Rektoren
Die 1950er und 1960er Jahre waren die Fortsetzung und Verwirklichung der Nazi-Träume und -Versprechungen im Kleinen: Häuschen und perfekte Waschmittel, drei Kinder und genug zu essen für alle, Papi verdient für die ganze Familie und Mutti führt den Haushalt, Autos für die Fleißigen und erste Urlaubsfahrten ins Ausland, das mit Schweigegeld zur Freundlichkeit erzogen wird …
Bildung ist kein Luxus
Als in den fünfziger und sechziger Jahren die junge liberale bildungspolitische Sprecherin und Abgeordnete Hamm-Brücher im Bayrischen Landtag gegen die Prügelstrafe an den Schulen sprach, führten sich konservative Abgeordnete auf: „Eine Watschn hat noch Keinem geschadet!“ Es sollte bis in die 70er Jahre dauern, dass „körperliche Züchtigung“ abgeschafft wurde.
Die Verarbeitung der Schäden, im Prinzip oft direkte Folgen des 3. Reiches, das unsere Väter und Mütter zu Grobianen und Duckmäuschen deformiert hatte, wie es mein Straßen-Nachbar Andreas Altmann in seinem Buch „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ beschrieben hat (jetzt auch als Piper-Taschenbuch).
Die sadistischen Lehrer und unser „ehrenwerter Rektor Burger“ waren angesehene Leute in der Kleinstadt, und sie boten uns mit den heimatlichen Gefängnissen der Kindheit genug Abschreckung für’s Leben, und mancher wie der rothaarige Reinhard Pillock brachten sich schon frühzeitig um.
Keiner meines Einschulungs-Jahrgangs 1960 hat ein Klassentreffen organisiert, keiner will sich freiwillig erinnern. Zu schwer liegt die Scham über die erlittene Qual über den schönen Anteilen, die uns der alte Wallfahrtsort geboten hatte.
Altötting blieb über die Jahrzehnte von den konfessionellen Strukturen geprägt, die durch die Gemeinschaftsschulen abgelöste werden sollten, und das hieß auch: Schweigen über den Sadismus von Kaplänen, beichten und beten … oder verschwinden.
das autoritäre Schulsystem herrscht bis heute in Bayern
auch, wenn es nun viel freundlichere Lehrkräfte gibt, die bis zum Rande der Belastbarkeit ihre Wertungen abgeben müssen: Notengebung wird zum Dogma, Gesprächsverbot für die Kultusministerin, Lehrkräfte haben als Beamte zu schweigen, wenn die Obrigkeit mit Beförderungsbedenken droht …
Es gibt nur einen Gott, und sein Stellvertreter ist der Landesvater, gelobt sei seine Weißwurst …
Wie sieht es in den anderen Landesteilen aus?
Quellen
Anfänge: David Graeber, David Wengrow „Anfänge“: Menschen haben immer die Wahl
https://gestalt.eineweltnetz.org/doku.php?id=anf%C3%A4nge
Altes Testament, Neues Testament, Koran,
Hildegard Hamm-Brücher: Unfähig zur Reform? – Kritik und Initiativen zur Bildungspolitik München 1972
Hildegard Hamm-Brücher: Bildung ist kein Luxus – Plädoyer gegen die Resignation in der Bildungspolitik München 1976
Hildegard Hamm-Brücher: Und dennoch…: Nachdenken über Zeitgeschichte, Erinnern für die Zukunft – Eine kompakte Darstellung der pädagogischen Rückschritte in Bayern
Stig Dagerman: Deutscher Herbst. Aus dem Schwedischen, mit einer Briefauswahl und einem Nachwort von Paul Berf. Guggolz Verlag. Berlin 2021. 190 Seiten. 22 Euro besprochen in : zeit.de/kultur/literatur/2021-11/deutscher-herbst-stig-dagerman-nachwort?utm_referrer=https%3A%2F%2Fgetpocket.com%2Frecommendations
https://www.gra.ch/bildung/glossar/talmudjude/