Differenz statt Dramatisierung: Was wir aus der Stellungnahme von Hiwin lernen können
Differenz statt Dramatisierung: Was wir aus der Stellungnahme von Hiwin lernen können. In der aufgeheizten Debatte um den Offenburger Flugplatz tut Differenz gut. Die Stellungnahme von Hiwin zeigt: Wirtschaftliche Entwicklung muss nicht zwangsläufig im Ton der Alternativlosigkeit geführt werden. Das verdient Anerkennung.
Inhalt
Toggle- Flächensparen ist möglich – wenn man es wirklich will
- Der Flugplatz ist nicht alternativlos
- Das eigentliche Problem liegt tiefer
- Wirtschaft gegen Natur? Das ist die falsche Gegenüberstellung.
- Unser Wunsch für die Informationsveranstaltung
- Hintergund
Flächensparen ist möglich – wenn man es wirklich will
Hiwin denkt über mehrgeschossige, flächensparende Bauweisen nach. Das ist kein Detail, sondern ein Signal. Denn genau hier entscheidet sich, ob eine Stadt zukunftsfähig plant – oder weiter in der Logik der maximalen Flächeninanspruchnahme verharrt. Wer mehrstöckig baut, denkt vertikal statt horizontal. Wer Flächen effizient nutzt, schützt Außenräume. Genau dieser Maßstab sollte für alle gelten.
Der Flugplatz ist nicht alternativlos
In der öffentlichen Diskussion wird häufig der Eindruck erweckt, es gebe keine anderen Optionen mehr. Das hält einer nüchternen Betrachtung nicht stand.
- Im interkommunalen Zweckverband stehen kurzfristig rund 6,5 Hektar zur Verfügung.
- Perspektivisch sollen dort weitere rund 100 Hektar entwickelt werden.
Gleichzeitig ist auch das Flugplatzareal selbst keineswegs sofort baureif. Große Teile weisen FFH-Lebensraumtypen auf. Ausnahmegenehmigungen wären erforderlich. Die Verfahren sind komplex, zeitlich offen und rechtlich nicht trivial. Von „sofort verfügbar“ kann also keine Rede sein.
Das eigentliche Problem liegt tiefer
Aus unserer Sicht wurde in den vergangenen zwanzig Jahren die konsequente Innenentwicklung nicht mit der nötigen Priorität verfolgt.
Reaktivierung von Bestandsflächen.
Nachverdichtung.
Mehrgeschossiger Gewerbebau.
Interkommunale Abstimmung.
Stattdessen erleben wir heute eine Situation, in der hochwertige Naturflächen zur Disposition stehen – während bereits versiegelte Flächen nicht konsequent für gewerbliche Entwicklung genutzt werden.
Ein Beispiel ist die ehemalige Burda-Druckerei. Eine erschlossene, baureife Fläche. Statt gewerblicher Weiterentwicklung erfolgte ein Erwerb durch den Landkreis. Während öffentlich von Flächenknappheit gesprochen wird, gehen solche Optionen verloren. Das ist kein Naturgesetz. Das ist eine Frage der Prioritätensetzung.
Wirtschaft gegen Natur? Das ist die falsche Gegenüberstellung.
Unternehmen wie Hiwin wollen wachsen. Das ist legitim.Doch wirtschaftliche Stärke, Klimaanpassung und Schutz artenreicher Flächen müssen gemeinsam gedacht werden – gerade in Zeiten zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse.
Die Magerwiesen des Flugplatzes sind kein „Leerraum“.
Sie sind klimatisch wirksam.
Sie sind ökologisch hochwertig.
Sie sind Teil der Lebensqualität dieser Stadt.
Wer hier von Alternativlosigkeit spricht, verkürzt die Debatte.
Unser Wunsch für die Informationsveranstaltung
Wir wünschen uns, dass auch Vertreter der Firma Hiwin die Diskussion in dieser Differenziertheit führen – ohne das Narrativ der angeblichen Alternativlosigkeit zu bedienen. Die Bürgerinnen und Bürger verdienen eine ehrliche Abwägung. Keine Dramatisierung. Keine Verengung auf ein Entweder-oder. Die eigentliche Frage lautet nicht: Wirtschaft oder Natur?
Sondern: Wie organisieren wir Wachstum so, dass wir nicht die Grundlagen unserer eigenen Zukunft zerstören? Darüber sollten wir sprechen.
Hintergund
Wir hatten alle Firmen und Institutionen, die sich im öffentlichen Diskurs für das Gewerbegebiet am Flugplatz einsetzen, angeschrieben und um eine Stellungnahme gebeten.
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