(S+) E-Scooter, Fahrräder, Autos: Warum so viele Frauen an Sharingsystemen verzweifeln | Gunnar Nehrke
Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel macht Stimmung gegen Sharing – hart am Rand der Desinformation.
Was ich meine?
Am vergangenen Samstag erschien bei Spiegel-Online ein Artikel mit dem Titel „Frauenfeindliche Leihsysteme - Sharing ohne Caring“. Teasertext: „Frauen verzweifeln häufig an Sharingangeboten mit E-Scootern, Fahrrädern oder Autos in deutschen Städten. Anbieter und Kommunen ignorieren ihre Bedürfnisse auf vielfältige Weise“. Groß im Bild: Das Carsharing-Schild er StVO.
Im Text geht’s dann erstmal darum, dass sich das Design von E-Tretrollern zu sehr an männlichen Nutzern orientiert. Ich kann das nicht beurteilen und es könnte stimmen. Aber was hat es mit dem Sharing im Allgemeinen und dem Sharing von Autos im Besonderen zu tun? Zumal das Design von Autos von Automobilherstellern stammt und nicht von Sharing-Anbietern?
Wahr ist: In Deutschland sind viel mehr Männer als Frauen zum Carsharing angemeldet. Aber das allein zeigt nicht, dass Carsharing-Angebote systematisch die Bedürfnisse von Frauen ignorieren oder gar frauenfeindlich sind.
👉 In einer kürzlich erschienen Studie zum Carsharing in Bremen sind 95 Prozent der befragten Frauen mit dem von ihnen genutzten Carsharing-Angebot sehr zufrieden oder zufrieden. Bei den Männern ist der Anteil der Zufriedenen mit 93 Prozent etwas geringer. 46 Prozent der über 3.000 Befragten waren Frauen. Das klingt für mich nicht nach systematisch ignorierten Bedürfnissen von Frauen. Entsteht der Gender-Gap vielleicht durch andere Phänomene? Dem Spiegel ist es egal, Hauptsache die Message ist gesetzt.
Link zur Bremen-Studie: https://lnkd.in/dkiWgmAV
Über Carsharing sagt der Spiegel in dem Artikel konkret das Folgende: Eine Lehrerin und Mutter aus Braunschweig hätte gern ein Carsharing-Auto, an das sie sich gewöhnen kann. Dabei ist es dem Spiegel egal, dass die Interviewpartnerin an einer Carsharing-Station wohnt, wo mehrere Jahre am Stück dieselben Fahrzeuge bereitgestellt werden. Und die interviewte Frau hätte gern, dass der Carsharing-Anbieter im Carsharing-Auto Wasserflaschen, Kinderspielzeug und Feuchttücher bereitlegt. Es ist für mich vollkommen verständlich, dass eine Mutter mit kleinem Kind diese Gegenstände dauerhaft im Auto lagern möchte und dann lieber beim eigenen Auto bleibt, wo das problemlos geht. Aber ist es wirklich richtig, dass Carsharing-Anbieter, die diese Gegenstände nicht im Auto bereitlegen, die Bedürfnisse von Frauen auf „vielfältige“ oder gar „frauenfeindliche“ Weise ignorieren, wie der Spiegel uns suggeriert?
Ich sage nicht, dass die Carsharing-Branche nichts mehr tun kann, um inklusiver zu werden. Aber mich nervt diese als Recherche getarnte Stimmungsmache des Spiegel. Die zielt nämlich nur darauf ab, dass irgendwas Negatives schon hängenbleiben wird.
https://lnkd.in/d56wqFAy