2/ Das habt Ihr ganz toll gemacht! Zum ersten Mal im Leben konnte man und musste man „Kann ich nicht sagen“ ankreuzen.
Ich wollte den Punkt, den ich schon im Buch hatte, noch deutlicher machen und die Thomas-Mann-Sätze raussuchen. Oder zumindest irgendeinen von seinen Schachtelsätzen.
Dabei bin ich auf den Artikel gestoßen, den auch @anlomedad gefunden hat:
https://www.journal21.ch/artikel/ein-satz-mit-1077-woertern
Der Witz ist nun, dass ich einfach einen längeren Satz bilden könnte, indem ich schreibe:
Der Schriftsteller Hermann Broch schrieb in seinem Roman „Der Tod des Vergils“ den Satz ….
Ihr würdet mir dann nicht mehr zuhören, aber hey …
Die Frage ist grundsätzlicher Natur. Die Regeln, die Syntaktiker*innen formulieren, erlauben beliebig komplexe Verschachtelungen. Zu sagen: Das darfst Du aber höchstens drei Mal machen, wäre willkürlich. Deswegen sind die beschriebenen Sprachen prinzipiell unendliche Mengen. Unsere Gehirnkapazität und sonstige Beschränkungen (Wir sterben alle irgendwann.) sorgen dann aber dafür, dass der größte Teil dieser Mengen nie geäußert wird. Ein unendlich großer Teil.
Dass wir was prinzipiell können, unser Wissen, wird Kompetenz genannt, und die Benutzung des Wissens und alle Fehler und Unzulänglichkeiten (Alkoholeinfluss reduziert kognitive Fähigkeiten) fällt unter Performanz.
Die Sache mit den Satzlängen (347 und 1077) habe ich jetzt noch in die neue Auflage des HPSG-Buches reingebaut. Kommt hoffentlich spätestens im März raus.
3/ Für Mathematiker*innen. Das ist ein indirekter Beweis. Man nimmt an, es gäbe einen längsten Satz und führt das dann zum Widerspruch, indem man zeigt, wie man aus dem angenommenen längsten Satz einen noch längeren machen könnte. Leider hat das aber einen Haken, denn Sätze mit mehr als – sagen wir mal – 100.000 Wörtern können wir beim besten Willen nicht als Einheit verstehen. Wenn es nur endlich viele Wörter gibt (aus demselben Grund: maximale Wortlänge), dann kann es auch nur endlich viele Sätze geben.
Mich hat das alles gleich geärgert, als ich es zum ersten Mal gehört habe.
Diese Unendlichkeitsgeschichte geht im Prinzip auf #Humboldt zurück, spielt aber bei #Chomsky eine große Rolle.
Wer möchte, kann mal Abschnitt 13.1.8 lesen: